„Gleitmittel fürs Zäpfchen“

Die RHEINPFALZ berichtete über die Godramsteimer Abstimmung zur Resolution des Queichhambacher Ortsbeirats. Unter dem Leitgedanken „Wenn schon B-10-Ausbau, dann die Tunnel zuerst“ hatten jene vergangenes Jahr ein Positionspapier verabschiedet. Unseren Leserbrief  zitierte die RHEINPFALZ am 04.05.2018.  Lesen Sie im Folgenden das Original.


„Wenn schon B-10-Ausbau, dann die Tunnel zuerst“.

Bei Projektsummen von über 300 Mio. € ist ein risikobasiertes Vorgehen eigentlich selbstverständlich. Sollte man meinen. Allein deshalb, egal ob Ausbau Befürworter oder Gegner, ist der Leitgedanke des Queichhambacher Positionspapiers richtig. Selbst im BVWP 2030 ist klar dargelegt, daß der B10 Ausbau nur als Gesamtprojekt sinnvoll ist. Die LBM agieren genau umgekehrt. Per Salamitaktik wird die B10, weder Risiko noch Dringlichkeit folgend, von Ost und West ausgebaut und damit auch der Verkehr und die Belastung sukzessive erhöht. Wie Herr Schreiner richtig sagt „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten“. Das wird bereits seit vielen Jahren gegen den Willen der Anrainer so praktiziert und wie Herr Ohler feststellt

„Vor 15 Jahren hat sich die Bevölkerung mehrheitlich gegen den Ausbau ausgesprochen. Der Lärm ist seitdem extrem gewachsen.“

Geplante Folgeaktivitäten der letzten Mediationen sind nicht aufgegriffen worden. Und jetzt führt die Stellungnahme zum Positionspapier bei der akut betroffenen Gemeinde Godramstein zu Grundsatzdebatten.

Wen wunderts?

Der Ausbau wurde trotz aller Widerstände der wesentlich betroffenen Gemeinden in den BVWP 2030 aufgenommen. Und jetzt diskutiert man die Vorgehensweise, die Höhe von Lärmschutzwällen oder Kollateralschäden wie LKW-Rastplätze im Biosphärenreservat? Das muß zu Grundsatzdebatten führen, denn der vierspurige autobahngleiche Ausbau der B10 ist ein ganz grundsätzliches Problem. Wird der Ausbau durchgeführt, so ist der Schaden für das Biosphärenreservat und die Anwohner unwiederbringlich vorhanden!

Wildbrücken, Lärmschutzwälle und das ein oder andere lukrative Grundstücksangebot sind „Gleitmittel fürs Zäpfchen“.

Die Zukunft wird eine von durchgehenden Zäunen, gigantischen Lärmschutzwällen und auch noch LKW-Rastplätzen gesäumte Pfälzerwald Autobahn mitten durch das Biosphärenreservat sein. Genauso konzeptlos wie die Ausbaustrecken, werden zusätzlich noch die einen oder anderen Industrieansiedlungen genehmigt werden. Heute noch unberührte Täler werden dem Siedlungsdruck „weg von der Autobahn“ zum Opfer fallen. Von Unzerschnittenheit, ein wesentliches Kriterium unseres Biosphärenreservates, keine Rede mehr.

Der autobahngleiche Ausbau wird die Zersetzung seiner Substanz einleiten.

Und das Ganze um Pirmasens zu helfen? Alternativlos? Fehlende Mitarbeiter als verkehrstechnisches Problem? Bei extrem günstigen Miet- und Grundstückspreisen? Fehlt es nicht vielleicht doch sonst irgendwie? „Da sei vielmehr die Bildungspolitik gefordert“ meint Herr Schreiner.

Bildungspolitik statt Straßenbau.

Im Zeitalter von Industrie 4.0 und Verkehrswende nicht von der Hand zu weisen. Datenbahn statt Autobahn, ist eine weitere folgerichtige Konsequenz. Digitalisierung überwindet Räume. Familienfreundliche und naturfreundliche Infrastruktur zieht qualifizierte Mitarbeiter an. In der Tat ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, für Pirmasens einen erfolgreichen Weg in die Zukunft zu suchen.

Statt dessen werden auf Basis von mittlerweile alten Verkehrsprognosen, einer fragwürdigen Hoffnung seitens Pirmasens und einer bislang zweifelhaften ökologischen Bewertung hunderte Millionen Euro Steuergelder in diesen zerstörerischen Ausbau gesteckt.

BER und S21 sind in Aller Munde – die hiesigen Steuerverschwendungen wie bei Flughafen Hahn, Nürburgring und Flughafen Zweibrücken anscheinend bereits erfolgreich verdrängt.

Wir wissen, es „bestehen insgesamt deutliche Zweifel, ob der BVWP 2030 hinsichtlich der zu erwartenden erheblichen Umweltauswirkungen überhaupt zutreffend beurteilt wurde bzw. beurteilbar ist.“

Die Bewertungsgrundlage des BVWP 2030 selbst bedarf einer genauesten Bewertung.

Es gehören aktuelle Verkehrszahlen her. Insbesondere mit Augenmerk auf den LKW-Transitverkehr. Es gehören aktuelle Lärm- und Feinstaubmessungen her. Eine moderne Neubewertung unter Einbeziehung moderner Konzepte wie TEN-V, Industrie 4.0 und Verkehrswende gehört her.

Und vor allem müssen auch die Bürger der Südpfalz und Südwestpfalz bei einer ganzheitlichen Betrachtung verschiedener Lösungsansätze gemeinsam wieder einbezogen werden.


Walter Stutterich, Pirmasens, Rudolf Ahrens-Botzong, Ludwigswinkel, Jacqueline Sharma, Siebeldingen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.